Viele Schüler wollen sich nicht testen lassen / Drei bestätigte Coronafälle / Erste Eltern ziehen Konsequenzen

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Her­mann S. (Name geän­dert), hat sich ent­schie­den. „Ich wer­de mei­ne Kin­der im Augen­blick nicht zur Schu­le schi­cken und mel­de sie krank”, erklärt er gegen­über den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Der Grund dafür: Zahl­rei­che Schü­ler der Real­schu­le August­dorf (man­che spre­chen von 150, ande­re von mehr als die Hälf­te), wol­len sich nach Infor­ma­tio­nen der Redak­ti­on nicht tes­ten las­sen.

S. macht in sei­nem Gespräch mit den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN deut­lich, dass die Schul­lei­tung nichts dage­gen unter­neh­men kann und er die­ser auch kei­nen Vor­wurf macht. Zur Schu­le will er sei­ne Kin­der trotz­dem nicht schi­cken. „Es kann nicht sein, dass wir alles dafür tun, und dann eini­ge Eltern mei­nen, ande­re Kin­der dadurch zu gefähr­den, indem sie ihre Kin­der nicht tes­ten las­sen”, erklär­te er. Er wis­se zwar, dass es eine Schul­pflicht gebe, aber das sei ihm egal.

Neue Daten aus Bel­gi­en und Groß­bri­tan­ni­en zei­gen, dass die Mutan­te B.1.1.7 des Coro­na­vi­rus wohl vor allem Kin­der und Jugend­li­che befällt. Die Infi­zier­ten tra­gen die Viren in ihre Fami­li­en. „Der stärks­te Anstieg ist bei Kin­dern zwi­schen 0 und 14 Jah­ren zu beob­ach­ten, wo sich die Sie­ben-Tage-Inzi­den­zen in den letz­ten vier Wochen mehr als ver­dop­pelt haben”, heißt es im jüngs­ten Wochen­be­richt des Robert Koch-Insti­tuts (RKI).Und klar ist mitt­ler­wei­le auch, wo sich alle anste­cken. Das RKI spricht von Aus­brü­chen, die „momen­tan ins­be­son­de­re pri­va­te Haus­hal­te, zuneh­mend auch Kitas, Schu­len und das beruf­li­che Umfeld” beträ­fen.

Neben Her­mann S. sind es nach Recher­chen der AN auch wei­te­re Eltern, die ihre Kin­der aus den­sel­ben Grün­den nicht mehr zur Schu­le schi­cken wol­len. Zudem wur­de bekannt, dass es mitt­ler­wei­le drei Schü­ler der Real­schu­le gibt, die posi­tiv auf Coro­na getes­tet wur­den. Ob die­se zu der Grup­pe gehö­ren, die sich nicht tes­ten las­sen woll­te, ist nicht klar.

In die­sem Zusam­men­hang wird in August­dorf auch immer wie­der der Vor­wurf laut, dass vor allem die Frei­kir­chen nega­tiv gegen­über den Tes­tun­gen ein­ge­stellt sei­en und die­se nicht befür­wor­te­ten. Die Redak­ti­on hat alle frei­en Glau­bens­ge­mein­schaf­ten in August­dorf gefragt, wie sie zu den Tests ste­hen. Sowohl die Gemein­de am Imker­weg, als auch CGa­mI vom Insel­weg, und die evan­ge­li­sche Frei­kir­che an der Pivits­hei­der Stra­ße erklär­ten, dass sie ihren Gemein­de­mit­glie­dern die Ent­schei­dung über­lie­ßen und dazu kei­nen Emp­feh­lung abgä­ben.

„Wir machen unse­ren Eltern kei­ne Vor­ga­ben, wie sie ihre Erzie­hungs­ver­ant­wor­tung wahr­neh­men sol­len. Zu Coro­na­tests haben wir kei­ne Abfra­ge gemacht, die Hal­tung dazu liegt im per­sön­li­chen Ent­schei­dungs­be­reich jedes Gemein­de­mit­glieds”, erklär­te zum Bei­spiel Ingo Krau­se von CGa­mI. Ähn­lich äußer­ten sich die ande­ren Ver­tre­ter. Ein­zig der Lei­ter der Haus­ten­be­cker Gemein­de, Andre­as Frie­sen, reagier­te gar nicht auf die gestell­ten Fra­gen.

Schul­lei­te­rin Mela­nie Grimm erklär­te gegen­über der Redak­ti­on: „Es ist rich­tig, dass — wie auch an ande­ren Schu­len in den umlie­gen­den  Städ­ten — August­dor­fer Eltern unter­schied­lichs­ter Hin­ter­grün­de einer Selbst­tes­tung ihres Kin­des wider­spro­chen  haben.  In Nord­rhein-West­fa­len  wur­de von der Lan­des­re­gie­rung die Frei­wil­lig­keit  der Selbst­tests ohne Kon­se­quen­zen  für die­je­ni­gen, die sich nicht tes­ten las­sen, beschlos­sen. Auch im benach­bar­ten  Nie­der­sach­sen gilt die­se Frei­wil­lig­keit bzgl. der Selbst­tests. Unse­re Lan­des­re­gie­rung betont,  „dass aus der mög­li­chen  Nicht-Teil­nah­me von Schü­le­rin­nen  und Schü­lern kei­ne grup­pen­dy­na­mi­schen Pro­zes­se zu deren Nach­teil” ent­ste­hen sol­len. Eben­so betont das Minis­te­ri­um, „dass Schü­le­rin­nen  und Schü­ler ohne Test wei­ter­hin am Prä­senz­un­ter­richt  teil­neh­men  dür­fen”. Die Real­schu­le August­dorf  ist der­zeit  kein „Hot­spot”, was Infi­zier­ten­zah­len oder unter Qua­ran­tä­ne  ste­hen­de Per­so­nen anbe­trifft.  Den­noch steht die Schul­lei­tung  in die­ser Zeit  in beson­ders  engem Aus­tausch mit dem Schul­trä­ger und den wei­te­ren zustän­di­gen Behör­den.
Die vor den Oster­fe­ri­en  zu ermög­li­chen­den Selbst­tests sind übri­gens wegen des Wech­sel­un­ter­richts an der RSA die­se Woche  noch nicht  abge­schlos­sen.”
 

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Hermann S. (Name geändert), hat sich entschieden. "Ich werde meine Kinder im Augenblick nicht zur Schule schicken und melde sie krank", erklärt er gegenüber den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN. Der Grund dafür: Zahlreiche Schüler der Realschule Augustdorf (manche sprechen von 150, andere von mehr als die Hälfte), wollen sich nach Informationen der Redaktion nicht testen lassen. S. macht in seinem Gespräch mit den AUGUSTDORFER NACHRICHTEN deutlich, dass die Schulleitung nichts dagegen unternehmen kann und er dieser auch keinen Vorwurf macht. Zur Schule will er seine Kinder trotzdem nicht schicken. "Es kann nicht sein, dass wir alles dafür tun, und dann einige Eltern meinen, andere Kinder dadurch zu gefährden, indem sie ihre Kinder nicht testen lassen", erklärte er. Er wisse zwar, dass es eine Schulpflicht gebe, aber das sei ihm egal. Neue Daten aus Belgien und Großbritannien zeigen, dass die Mutante B.1.1.7 des Coronavirus wohl vor allem Kinder und Jugendliche befällt. Die Infizierten tragen die Viren in ihre Familien. "Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten, wo sich die Sieben-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt haben", heißt es im jüngsten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI).Und klar ist mittlerweile auch, wo sich alle anstecken. Das RKI spricht von Ausbrüchen, die "momentan insbesondere private Haushalte, zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld" beträfen. Neben Hermann S. sind es nach Recherchen der AN auch weitere Eltern, die ihre Kinder aus denselben Gründen nicht mehr zur Schule schicken wollen. Zudem wurde bekannt, dass es mittlerweile drei Schüler der Realschule gibt, die positiv auf Corona getestet wurden. Ob diese zu der Gruppe gehören, die sich nicht testen lassen wollte, ist nicht klar. In diesem Zusammenhang wird in Augustdorf auch immer wieder der Vorwurf laut, dass vor allem die Freikirchen negativ gegenüber den Testungen eingestellt seien und diese nicht befürworteten. Die Redaktion hat alle freien Glaubensgemeinschaften in Augustdorf gefragt, wie sie zu den Tests stehen. Sowohl die Gemeinde am Imkerweg, als auch CGamI vom Inselweg, und die evangelische Freikirche an der Pivitsheider Straße erklärten, dass sie ihren Gemeindemitgliedern die Entscheidung überließen und dazu keinen Empfehlung abgäben. "Wir machen unseren Eltern keine Vorgaben, wie sie ihre Erziehungsverantwortung wahrnehmen sollen. Zu Coronatests haben wir keine Abfrage gemacht, die Haltung dazu liegt im persönlichen Entscheidungsbereich jedes Gemeindemitglieds", erklärte zum Beispiel Ingo Krause von CGamI. Ähnlich äußerten sich die anderen Vertreter. Einzig der Leiter der Haustenbecker Gemeinde, Andreas Friesen, reagierte gar nicht auf die gestellten Fragen.
Schulleiterin Melanie Grimm erklärte gegenüber der Redaktion: "Es ist richtig, dass - wie auch an anderen Schulen in den umliegenden  Städten - Augustdorfer Eltern unterschiedlichster Hintergründe einer Selbsttestung ihres Kindes widersprochen  haben.  In Nordrhein-Westfalen  wurde von der Landesregierung die Freiwilligkeit  der Selbsttests ohne Konsequenzen  für diejenigen, die sich nicht testen lassen, beschlossen. Auch im benachbarten  Niedersachsen gilt diese Freiwilligkeit bzgl. der Selbsttests. Unsere Landesregierung betont,  "dass aus der möglichen  Nicht-Teilnahme von Schülerinnen  und Schülern keine gruppendynamischen Prozesse zu deren Nachteil" entstehen sollen. Ebenso betont das Ministerium, "dass Schülerinnen  und Schüler ohne Test weiterhin am Präsenzunterricht  teilnehmen  dürfen". Die Realschule Augustdorf  ist derzeit  kein "Hotspot", was Infiziertenzahlen oder unter Quarantäne  stehende Personen anbetrifft.  Dennoch steht die Schulleitung  in dieser Zeit  in besonders  engem Austausch mit dem Schulträger und den weiteren zuständigen Behörden.
Die vor den Osterferien  zu ermöglichenden Selbsttests sind übrigens wegen des Wechselunterrichts an der RSA diese Woche  noch nicht  abgeschlossen."
 

Leserbriefe zu “Viele Schüler wollen sich nicht testen lassen / Drei bestätigte Coronafälle / Erste Eltern ziehen Konsequenzen

Leserbriefe geben die Ansicht der Einsender wieder, die mit der Meinung der Redaktion nicht übereinstimmen muss.


  1. Der Leser­brief von Klaus Senft hat in den sozia­len Netz­wer­ken einen Sturm ent­facht. Zwei Lager sind deut­lich gewor­den ; Die , die Ver­ständ­nis zei­gen und mit­hel­fen wol­len und die, die arro­gant von Frei­heit und Selbst­be­stim­mung faseln.
    Wenn eine Mut­ter sagt, dass sie bzgl Tests in der Schu­le doch nicht ihre Kin­der etwas tun las­sen wer­de, was die nicht mögen, dann ist das eine beson­de­re Form der UNTERLASSENEN HILFELEISTUNG !!!! § 323c Straf­ge­setz­buch !!!
    Wenn in den ver­schie­de­nen reli­giö­sen Gemein­den von beru­fe­ner Stel­le lapi­dar erklärt wird man über­las­se es den Gemein­de­mit­glie­dern, wie sie sich in der Fra­ge der Tests in der Schu­le verhalten/entscheiden, obwohl sie sehr genau wis­sen , dass die Wor­te der Gemein­de­lei­ter und Ältes­ten zählen/befolgt wer­den, dann geht das in die glei­che Rich­tung !!! Alle die auf irgend­ei­ne Wei­se Ein­fluss auf ande­re (zumal auf Kin­der ) haben, sind in die­ser Not­si­tua­ti­on ver­pflich­tet , dafür Sor­ge zu tra­gen, dass Schutz­vor­schrif­ten und ‑ange­bo­te strikt ein­ge­hal­ten wer­den !!! Es ist ihre verd.…Pflicht und Schul­dig­keit allen Mit­men­schen gegen­über !!!! Die Frei­heit des ein­zel­nen hat da ihre Gren­zen, wo sie die Frei­heit des ande­ren bedroht.…und in unse­rer Not­si­tua­ti­on : das LEBEN ande­rer bedroht

  2. Ich stim­me Herrn Senft zu. Die Situa­ti­on ist mehr als dra­ma­tisch und es haben immer noch nicht alle kapiert. Ich kann es nicht ver­ste­hen, dass man die Schnell­tests in den Schu­len nicht nut­zen will. Das gibt doch allen Betei­lig­ten zumin­dest etwas Sicher­heit. Ich per­sön­lich freue mich, wenn es nach den Feri­en end­lich mit den Tests in den Grund­schu­len los­geht und auch mei­ne Kin­der getes­tet wer­den kön­nen. Ich kann auch nicht ver­ste­hen, dass Kin­der, die in Qua­ran­tä­ne sind, auf der Stra­ße spie­len. Den Kin­dern kann man kei­ne Schuld geben, aber die Eltern sind für die Ein­hal­tung der Qua­ran­tä­ne ver­ant­wort­lich. Wie hoch muss der Inzi­denz­wert denn noch stei­gen, dass auch die letz­ten „Quer­den­ker” den Ernst der Lage kapie­ren??? Online-Got­tes­diens­te sind in die­ser Situa­ti­on ein sinn­vol­ler Bei­trag zur Kon­takt­ver­mei­dung. Im Home­of­fice klappt das mit Video­kon­fe­ren­zen schließ­lich auch. Außer­dem tun mir unse­re Gas­tro­no­men im Ort echt leid. Sie wol­len ger­ne öff­nen, haben aber kaum eine Per­spek­ti­ve. Hal­tet durch! Man kann wirk­lich nur an alle appel­lie­ren, dass jede/r für jede/n Ver­ant­wor­tung über­nimmt und sich an die Regeln hält. Natür­lich wün­schen wir uns alle unser „altes Leben” zurück, aber so wie es der­zeit läuft, wird das lei­der erst­mal nichts.

  3. Hal­lo August­dor­fer !!!
    Ich bin so wütend, dass ich das mal hier los­wer­den muss. Was ist hier in August­dorf eigent­lich los? Coro­na gras­siert, die Inzi­denz­wer­te seit Wochen/Monaten in einer Höhe wie in kei­ner ver­gleich­ba­ren Gemein­de !!!

    Es hilft kei­nem, ich wie­der­ho­le nie­man­den, dass nach Schul­di­gen gesucht wird, dass pau­schal und völ­lig unbe­wie­sen DIE Rumä­nen, DIE Tür­ken oder DIE Russ­land­deut­schen ver­ant­wort­lich gemacht und an den Pran­ger gestellt wer­den. Es hilft nur, dass ALLE August­dor­fer, ALLE 10.000 in unse­rer Gemein­de akti­ve Mit­ver­ant­wor­tung zei­gen !!! Es hilft nur, dass JEDER im Dorf sich strengs­tens an Schutz­maß­nah­men hält, und JEDER sich auch um jeden ande­ren mit Für­sor­ge küm­mert !!!

    Der eigent­li­che Grund für die schein­bar nicht mehr in den Griff zu bekom­men­de immer gefähr­li­che­re Situa­ti­on hier in August­dorf ist, dass zu vie­le ent­we­der gedan­ken­los und ver­ant­wor­tungs­los und unbe­küm­mert nur eige­ne Inter­es­sen ver­fol­gen, egal was um sie her­um pas­siert, oder man gefällt sich, Grup­pen völ­lig aus der Luft gegrif­fen zu beschul­di­gen, und dann ist man zufrie­den.

    Wir alle sind in der verd.….. Pflicht, den Bür­ger­meis­ter und die Gemein­de­ver­wal­tung zu unter­stüt­zen. Es geht nicht, dass der Bür­ger­meis­ter zwi­schen dem, was gilt und was nicht gilt, fast hilf­los schwimmt. Er ist auf uns ALLE ange­wie­sen, er muss sich auf ALLE ver­las­sen kön­nen !!! Auf unser Mit­den­ken und Mit­han­deln !!!

    Wenn in der Real­schu­le oder an ande­ren Orten Schutz­maß­nah­men zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, dann
    m ü s s e n die genutzt wer­den !!! Jeder Vater und jede Mut­ter haben die Pflicht, ihre Kin­der zu die­sem Pflicht­ver­hal­ten anzu­lei­ten. Eltern, die das nicht tun, muss klar sein, dass sie wis­sent­lich ris­kie­ren, dass Nach­bars­kin­der oder ande­re ster­ben kön­nen.

    Men­schen, die in der Pos­ti­on sind hier in August­dorf, auf ande­re ein­wir­ken zu kön­nen (Arbeit­ge­ber, Ord­nungs­be­hör­de, Leh­rer und Lei­ter von Gemein­den usw.) haben die Pflicht auf Schutz­maß­nah­men und deren Ein­hal­tung zu drän­gen und dar­auf zu bestehen !!!! JETZT !!!

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