Weg mit dem Gender-Unfug!

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In immer mehr Zei­tungs­re­dak­tio­nen und auch beim Rund­funk und Fern­se­hen wird eine soge­nann­te gen­der­ge­rech­te Spra­che ver­wen­det. Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN stem­men sich gegen den Trend und haben dabei einen pro­mi­nen­ten Für­spre­cher gefun­den; den Ver­ein Deut­sche Spra­che. In einem Gast­bei­trag für die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN schreibt des­sen Vor­sit­zen­der, Prof. Dr. Wal­ter Krä­mer, war­um die von der Gen­der-Lob­by gefor­der­te Sexua­li­sie­rung auf dem Weg zur Gleich­be­rech­ti­gung nur hin­der­lich ist.

Damit hier kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se ent­ste­hen: Die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter ist ein höchst erstre­bens­wer­tes und immer noch nicht ganz erreich­tes Ziel. Aber der aktu­el­le – man muss schon sagen: Sprach­ter­ror –, mit dem eine ver­bohr­te Ideo­lo­gen­cli­que gan­ze Stadt­ver­wal­tun­gen und Uni­ver­si­tä­ten über­zieht, ist der fal­sche Weg dahin.

Kei­ne Fra­ge: Das frü­he­re „Fräu­lein“ ist zu Recht ver­schwun­den, und wenn ich auf der Weih­nachts­fei­er der Bäcker­innung Hei­del­berg den Fest­vor­trag hal­te, dann begrü­ße ich die Anwe­sen­den natür­lich mit „Mei­ne lie­ben Bäcker und Bäcke­rin­nen“. Aber eher wür­de ich mir mei­ne Hand abschnei­den, als vom Bäcker- und Bäcke­rin­nen­hand­werk zu schrei­ben. Ein­mal spre­che ich kon­kre­te Per­so­nen an, und ein­mal rede ich abs­trakt über einen Beruf. Gene­rell spricht nichts dage­gen, beim Schrei­ben oder Reden über kon­kre­te Men­schen wenn nötig auch sprach­lich fest­zu­hal­ten, dass dar­un­ter Män­ner wie Frau­en ver­tre­ten sind: Beim letz­ten Sei­fen­kis­ten­ren­nen des Bäcker­hand­werks beleg­ten die Bäcker und Bäcke­rin­nen aus Hei­del­berg den zwei­ten Platz.

Unglückliche Übersetzung des deutschen Barock

Im Prin­zip aber umfasst „Bäcker“ die die­sem Hand­werk oblie­gen­den Män­ner und Frau­en glei­cher­ma­ßen. Der Bäcker ist das alt­be­kann­te gene­ri­sche Mas­ku­li­num, das aller­dings wie das „gram­ma­ti­sche Geschlecht“ allein schon durch sei­nen Namen für Ver­wir­rung sorgt. Rein sprach­wis­sen­schaft­lich gese­hen han­delt es sich hier um ver­schie­de­ne Schub­la­den, in wel­che fast alle indo­ger­ma­ni­schen Spra­chen die Welt ein­sor­tie­ren, etwa beleb­te Din­ge in die eine und unbe­leb­te in die ande­re. War­um nen­nen wir die Schub­la­den nicht X und Y?

Und eini­ge Spra­chen ken­nen für Abs­trak­ta wie das Den­ken oder das Ver­ges­sen auch noch eine drit­te Schub­la­de Z. Der Begriff des gram­ma­ti­schen Geschlechts für die­se Sor­tier­fä­cher ist eine unglück­li­che Über­set­zung des deut­schen Barock, da kre­ierten deut­sche Gram­ma­ti­ker für den Fach­aus­druck „Genus“, wie man die­se Schub­la­den in der Sprach­wis­sen­schaft benennt, das „gram­ma­ti­sche Geschlecht“ und nann­ten die Arti­kel der, die, das „Geschlechts­wör­ter.“ Eine genau­so irre­füh­ren­de Falsch­be­nen­nung. Dass sogar gro­ße Gelehr­te wie Jacob Grimm hier eine tie­fe­re Bedeu­tung hin­ein­ge­heim­nis­sen woll­ten, macht die Sache auch nicht bes­ser. Auf jeden Fall steckt seit­dem die Ver­bin­dung zwi­schen gram­ma­ti­schem und bio­lo­gi­schem Geschlecht in den Köp­fen fest.

Verantwortung liegt nicht in der Sprache 

Natür­lich wei­chen die­se Gren­zen nach tau­sen­den Jah­ren Sprach­ge­schich­te auf, auch in der Schub­la­de Y fin­den sich seit lan­gem beleb­te Din­ge wie die Froh­na­tur, die Dumpf­ba­cke oder die Betriebs­nu­del (das heißt im Fach­jar­gon auch Meta­pho­ri­sie­rung), aber der zen­tra­le Sach­ver­halt, dass die­se Benen­nun­gen, wie die Sprach­wis­sen­schaft­ler sagen, „gene­risch“ sind und nichts mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht der so bezeich­ne­ten Per­so­nen zu tun haben, bleibt wei­ter­hin bestehen (und ist neben­bei gesagt auch ein bis­her viel zu wenig beach­te­ter Vor­teil in der Par­al­lel­de­bat­te über drit­te, vier­te und fünf­te bio­lo­gi­sche wie über sozia­le Geschlech­ter sowie sämt­li­che sexu­el­le Ori­en­tie­run­gen: das Gene­ri­kum bezeich­net alle). Die­ses gene­ri­sche Femi­ni­num ist zwar weni­ger ver­brei­tet als das mas­ku­li­ne Gegen­stück, aber man fra­ge doch mal zehn zufäl­lig aus­ge­wähl­te Bun­des­bür­ger, ob sie bei dem Wort „die Schnaps­dros­sel“ eher an Män­ner oder an Frau­en den­ken, und es wird klar, dass das „Geschlechts­wort“ der oder die vor einer Per­so­nen­be­nen­nung kei­nen siche­ren Rück­schluss auf deren bio­lo­gi­sches Geschlecht erlaubt.

 Der Held ist und bleibt eine Per­son, die sich durch hel­den­haf­tes Ver­hal­ten aus­zeich­net, egal ob Mann oder Frau. Das belieb­te Stan­dar­dar­gu­ment, Frau­en wären hier nur „mit­ge­meint“, wird auch durch 1000-mali­ges Wie­der­ho­len nicht rich­ti­ger. Spra­che meint nie etwas, Men­schen mei­nen. Und wenn Men­schen mei­nen, der Held wäre ein Mann, dann muss man eben die­se Mei­nung ändern. Ein­fach indem mehr Frau­en Hel­den sind. Vie­le Kin­der in Deutsch­land mei­nen, der Bun­des­kanz­ler wäre immer eine Frau.

Ausdrückliche Nennung in gewissen Kontexten vorteilhaft

Dass in den bekann­ten Tri­vi­al­stu­di­en die Befrag­ten mehr Män­ner nen­nen, wenn man sie nach ihren Lieb­lings­au­toren fragt, ist doch klar: Im bis­he­ri­gen Ver­lauf der Mensch­heits­ge­schich­te waren Autoren über­wie­gend Män­ner. Zumin­dest die­je­ni­gen, über die gere­det wur­de. Also denkt man beim Wort „Autor“ erst­mal an Män­ner. Genau­so den­ken wir, obwohl es inzwi­schen in Deutsch­land meh­re­re Dut­zend Män­ner gibt, die die­sen Beruf aus­üben, bei dem Wort „Heb­am­me“ zuerst ein­mal an Frau­en.

Die Fra­ge nach „Autoren und Autorin­nen“ ist eine Kurz­fas­sung der Info: „Nicht ver­ges­sen: auch Frau­en schrei­ben Bücher“. In die­sem Sinn spricht sicher nichts dage­gen, in Kon­tex­ten, wo der weib­li­che Anteil wich­tig ist, von „Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen“ oder „Mör­dern und Mör­de­rin­nen“ zu spre­chen. Aber eine Pati­en­ten- und Pati­en­tin­nen­ver­fü­gung? Nie­mals. Nero und die Chris­ten- und Chris­tin­nen­ver­fol­gung? Eher esse ich mei­ne Bibel. Oder „Pro­le­ta­ri­er und Pro­le­ta­rie­rin­nen, ver­ei­nigt euch?“ So hät­te es die Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Russ­land nie gege­ben. 

Ein komplexes Uhrwerk

Eine hoch­kom­ple­xe Spra­che wie das Deut­sche funk­tio­niert wie eine Role­xuhr, in der man an kei­ner Schrau­be dre­hen kann, ohne dass die gan­ze Mecha­nik ali­as die Gram­ma­tik ins Sto­cken gerät. Es reicht ja nicht, bei Haupt­wör­tern zu gen­dern, auch die Pro­no­men, Prä­po­si­tio­nen und Adjek­ti­ve und alles was damit gram­ma­ti­ka­lisch zusam­men­hängt, sind mit­zu­be­den­ken („Wer hat sei­nen Lip­pen­stift im Bad ver­ges­sen?“). Mir kom­men die­se sprach­hand­werk­lich oft unbe­darf­ten Ein­grif­fe von Men­schen, die es ansons­ten ger­ne sehe genau neh­men, wie Ver­su­che vor, eine sol­che Rolex mit Ham­mer und Mei­ßel (oder bes­ser: Ham­mer und Sichel) auf Vor­der­mann zu brin­gen. 

Bessere Rahmenbedingungen statt Genderlobby

Wer wirk­lich den Frau­en etwas Gutes tun will, soll­te das auf ande­re Wei­se tun. Wenn in eini­gen Jah­ren bei dem Spruch „Für Risi­ken und Neben­wir­kun­gen fra­gen Sie Ihren Arzt oder Apo­the­ker“ fast alle Men­schen bei den Wör­tern Arzt und Apo­the­ker vor allem an Frau­en den­ken, ist das kein Erfolg der Gen­der­lob­by, son­dern eine Kon­se­quenz der Tat­sa­che, dass Frau­en ohne alle Hil­fe von Sprach­ver­hun­zern, allein auf­grund ver­än­der­ter gesell­schaft­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen in die­sen Beru­fen sehr erfolg­reich sind. Also gilt es, die­se Rah­men­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern: Glei­ches Geld für glei­che Arbeit, bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf.

Auf die­sem Weg zur vol­len Gleich­be­rech­ti­gung kom­men wir kei­nen Zen­ti­me­ter wei­ter, wenn die Spar­kas­se Saar­brü­cken ihre Kli­en­ten mit „Kun­den und Kun­din­nen“ anspricht. Zum Glück wur­de die­ses Ansin­nen vor kur­zem höchst­rich­ter­lich ver­wor­fen. Die­se durch die Gen­der­spra­che dem Deut­schen auf­ge­zwun­ge­ne Sexua­li­sie­rung, der bis­lang nicht vor­han­de­ne Zwang, bei Per­so­nen immer auch das das Geschlecht zu den­ken, ist viel­leicht sogar für Frau­en eher schäd­lich, von den sons­ti­gen desas­trö­sen Kon­se­quen­zen für eine kul­ti­vier­te, nuan­cen­rei­che und melo­di­sche Spra­che völ­lig abge­se­hen.

Das Sein bestimmt das Bewusst­sein, sag­te schon Karl Marx, und nicht umge­kehrt. Nicht die Eti­ket­ten sind wich­tig, son­dern das, was dar­un­ter steckt. Und so den­ken unse­re Uren­kel als Fol­ge einer auch im Haus­halt bis dann hof­fent­lich eta­blier­ten Gleich­be­rech­ti­gung beim Wort „der Putz­teu­fel“ dann viel­leicht auch an Män­ner.

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In immer mehr Zeitungsredaktionen und auch beim Rundfunk und Fernsehen wird eine sogenannte gendergerechte Sprache verwendet. Die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN stemmen sich gegen den Trend und haben dabei einen prominenten Fürsprecher gefunden; den Verein Deutsche Sprache. In einem Gastbeitrag für die AUGUSTDORFER NACHRICHTEN schreibt dessen Vorsitzender, Prof. Dr. Walter Krämer, warum die von der Gender-Lobby geforderte Sexualisierung auf dem Weg zur Gleichberechtigung nur hinderlich ist. Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein höchst erstrebenswertes und immer noch nicht ganz erreichtes Ziel. Aber der aktuelle – man muss schon sagen: Sprachterror –, mit dem eine verbohrte Ideologenclique ganze Stadtverwaltungen und Universitäten überzieht, ist der falsche Weg dahin. Keine Frage: Das frühere „Fräulein“ ist zu Recht verschwunden, und wenn ich auf der Weihnachtsfeier der Bäckerinnung Heidelberg den Festvortrag halte, dann begrüße ich die Anwesenden natürlich mit „Meine lieben Bäcker und Bäckerinnen“. Aber eher würde ich mir meine Hand abschneiden, als vom Bäcker- und Bäckerinnenhandwerk zu schreiben. Einmal spreche ich konkrete Personen an, und einmal rede ich abstrakt über einen Beruf. Generell spricht nichts dagegen, beim Schreiben oder Reden über konkrete Menschen wenn nötig auch sprachlich festzuhalten, dass darunter Männer wie Frauen vertreten sind: Beim letzten Seifenkistenrennen des Bäckerhandwerks belegten die Bäcker und Bäckerinnen aus Heidelberg den zweiten Platz.

Unglückliche Übersetzung des deutschen Barock

Im Prinzip aber umfasst „Bäcker“ die diesem Handwerk obliegenden Männer und Frauen gleichermaßen. Der Bäcker ist das altbekannte generische Maskulinum, das allerdings wie das „grammatische Geschlecht“ allein schon durch seinen Namen für Verwirrung sorgt. Rein sprachwissenschaftlich gesehen handelt es sich hier um verschiedene Schubladen, in welche fast alle indogermanischen Sprachen die Welt einsortieren, etwa belebte Dinge in die eine und unbelebte in die andere. Warum nennen wir die Schubladen nicht X und Y? Und einige Sprachen kennen für Abstrakta wie das Denken oder das Vergessen auch noch eine dritte Schublade Z. Der Begriff des grammatischen Geschlechts für diese Sortierfächer ist eine unglückliche Übersetzung des deutschen Barock, da kreierten deutsche Grammatiker für den Fachausdruck „Genus“, wie man diese Schubladen in der Sprachwissenschaft benennt, das „grammatische Geschlecht“ und nannten die Artikel der, die, das „Geschlechtswörter.“ Eine genauso irreführende Falschbenennung. Dass sogar große Gelehrte wie Jacob Grimm hier eine tiefere Bedeutung hineingeheimnissen wollten, macht die Sache auch nicht besser. Auf jeden Fall steckt seitdem die Verbindung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht in den Köpfen fest.

Verantwortung liegt nicht in der Sprache 

Natürlich weichen diese Grenzen nach tausenden Jahren Sprachgeschichte auf, auch in der Schublade Y finden sich seit langem belebte Dinge wie die Frohnatur, die Dumpfbacke oder die Betriebsnudel (das heißt im Fachjargon auch Metaphorisierung), aber der zentrale Sachverhalt, dass diese Benennungen, wie die Sprachwissenschaftler sagen, „generisch“ sind und nichts mit dem biologischen Geschlecht der so bezeichneten Personen zu tun haben, bleibt weiterhin bestehen (und ist nebenbei gesagt auch ein bisher viel zu wenig beachteter Vorteil in der Paralleldebatte über dritte, vierte und fünfte biologische wie über soziale Geschlechter sowie sämtliche sexuelle Orientierungen: das Generikum bezeichnet alle). Dieses generische Femininum ist zwar weniger verbreitet als das maskuline Gegenstück, aber man frage doch mal zehn zufällig ausgewählte Bundesbürger, ob sie bei dem Wort „die Schnapsdrossel“ eher an Männer oder an Frauen denken, und es wird klar, dass das „Geschlechtswort“ der oder die vor einer Personenbenennung keinen sicheren Rückschluss auf deren biologisches Geschlecht erlaubt.  Der Held ist und bleibt eine Person, die sich durch heldenhaftes Verhalten auszeichnet, egal ob Mann oder Frau. Das beliebte Standardargument, Frauen wären hier nur „mitgemeint“, wird auch durch 1000-maliges Wiederholen nicht richtiger. Sprache meint nie etwas, Menschen meinen. Und wenn Menschen meinen, der Held wäre ein Mann, dann muss man eben diese Meinung ändern. Einfach indem mehr Frauen Helden sind. Viele Kinder in Deutschland meinen, der Bundeskanzler wäre immer eine Frau.

Ausdrückliche Nennung in gewissen Kontexten vorteilhaft

Dass in den bekannten Trivialstudien die Befragten mehr Männer nennen, wenn man sie nach ihren Lieblingsautoren fragt, ist doch klar: Im bisherigen Verlauf der Menschheitsgeschichte waren Autoren überwiegend Männer. Zumindest diejenigen, über die geredet wurde. Also denkt man beim Wort „Autor“ erstmal an Männer. Genauso denken wir, obwohl es inzwischen in Deutschland mehrere Dutzend Männer gibt, die diesen Beruf ausüben, bei dem Wort „Hebamme“ zuerst einmal an Frauen. Die Frage nach „Autoren und Autorinnen“ ist eine Kurzfassung der Info: „Nicht vergessen: auch Frauen schreiben Bücher“. In diesem Sinn spricht sicher nichts dagegen, in Kontexten, wo der weibliche Anteil wichtig ist, von „Patienten und Patientinnen“ oder „Mördern und Mörderinnen“ zu sprechen. Aber eine Patienten- und Patientinnenverfügung? Niemals. Nero und die Christen- und Christinnenverfolgung? Eher esse ich meine Bibel. Oder „Proletarier und Proletarierinnen, vereinigt euch?“ So hätte es die Oktoberrevolution in Russland nie gegeben. 

Ein komplexes Uhrwerk

Eine hochkomplexe Sprache wie das Deutsche funktioniert wie eine Rolexuhr, in der man an keiner Schraube drehen kann, ohne dass die ganze Mechanik alias die Grammatik ins Stocken gerät. Es reicht ja nicht, bei Hauptwörtern zu gendern, auch die Pronomen, Präpositionen und Adjektive und alles was damit grammatikalisch zusammenhängt, sind mitzubedenken („Wer hat seinen Lippenstift im Bad vergessen?“). Mir kommen diese sprachhandwerklich oft unbedarften Eingriffe von Menschen, die es ansonsten gerne sehe genau nehmen, wie Versuche vor, eine solche Rolex mit Hammer und Meißel (oder besser: Hammer und Sichel) auf Vordermann zu bringen. 

Bessere Rahmenbedingungen statt Genderlobby

Wer wirklich den Frauen etwas Gutes tun will, sollte das auf andere Weise tun. Wenn in einigen Jahren bei dem Spruch „Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ fast alle Menschen bei den Wörtern Arzt und Apotheker vor allem an Frauen denken, ist das kein Erfolg der Genderlobby, sondern eine Konsequenz der Tatsache, dass Frauen ohne alle Hilfe von Sprachverhunzern, allein aufgrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in diesen Berufen sehr erfolgreich sind. Also gilt es, diese Rahmenbedingungen zu verbessern: Gleiches Geld für gleiche Arbeit, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auf diesem Weg zur vollen Gleichberechtigung kommen wir keinen Zentimeter weiter, wenn die Sparkasse Saarbrücken ihre Klienten mit „Kunden und Kundinnen“ anspricht. Zum Glück wurde dieses Ansinnen vor kurzem höchstrichterlich verworfen. Diese durch die Gendersprache dem Deutschen aufgezwungene Sexualisierung, der bislang nicht vorhandene Zwang, bei Personen immer auch das das Geschlecht zu denken, ist vielleicht sogar für Frauen eher schädlich, von den sonstigen desaströsen Konsequenzen für eine kultivierte, nuancenreiche und melodische Sprache völlig abgesehen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, sagte schon Karl Marx, und nicht umgekehrt. Nicht die Etiketten sind wichtig, sondern das, was darunter steckt. Und so denken unsere Urenkel als Folge einer auch im Haushalt bis dann hoffentlich etablierten Gleichberechtigung beim Wort „der Putzteufel“ dann vielleicht auch an Männer.

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