Ende einer Ära: Panzerbrigade 21 begrüßt Afghanistan-Rückkehrer

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Am 30. Juni 2021 lan­de­te die letz­te Maschi­ne aus dem lang­jäh­ri­gen Ein­satz­stand­ort der Bun­des­wehr im nord­af­gha­ni­schen Mazar‑e Sharif auf dem Mili­tär­flug­platz in Wunstorf. Für zahl­rei­che Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten aus der August­dor­fer Rom­mel-Kaser­ne ging an die­sem Tag der Ein­satz im letz­ten offi­zi­el­len Ein­satz­kon­tin­gent der Bun­des­wehr im Rah­men der NATO-Aus­bil­dungs­mis­si­on „Reso­lu­te Sup­port“ („Ent­schlos­se­ne Unter­stüt­zung“) zu Ende.

In den zurück­lie­gen­den zwei Jahr­zehn­ten waren rund 10.000 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten der Pan­zer­bri­ga­de 21 „Lip­per­land“ in der zen­tral­asia­ti­schen Kri­sen­re­gi­on im Ein­satz. Wäh­rend eines fei­er­li­chen Appells in der August­dor­fer Rom­mel-Kaser­ne wur­den die Ein­satz­rück­keh­rer offi­zi­ell wie­der am Bun­des­wehr­stand­ort am Sen­ne­rand begrüßt. Als Ehren­gast sprach Gene­ral­leut­nant Johann Lan­gen­eg­ger aus dem Kom­man­do Heer in Straus­berg zu den 450 ange­tre­te­nen Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten der Bri­ga­de.

Der 63jährige Gene­ral führt als Kom­man­deur Ein­satz die Divi­sio­nen des Feld­hee­res, dar­un­ter auch die 1. Pan­zer­di­vi­si­on aus Olden­burg, vor­ge­setz­te Dienst­stel­le der „Lipperland“-Brigade. Zudem ver­tritt Lan­gen­eg­ger als Stell­ver­tre­ter den Inspek­teur des Hee­res. Mit Rück­sicht auf die aktu­el­le Situa­ti­on in Afgha­ni­stan sowie die erst am Wochen­en­de zu Ende gegan­ge­ne Eva­ku­ie­rungs­ope­ra­ti­on der Bun­des­wehr am Flug­ha­fen Kabul fand der Appell wei­test­ge­hend unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit statt. Rund zwan­zig Gäs­te, über­wie­gend aus dem mili­tä­ri­schen Bereich, nah­men an dem ein­stün­di­gen Zere­mo­ni­ell teil.

Gene­ral­leut­nant Lan­gen­eg­ger erin­ner­te in sei­ner Rede an die Ereig­nis­se rund um die Ter­ror­an­schlä­ge in den USA am 11. Sep­tem­ber 2001. Noch am Anschlags­tag wur­de durch den Nord­at­lan­tikrat der NATO der Bünd­nis­fall aus­ge­ru­fen und die Bun­des­re­gie­rung sicher­te der US-Regie­rung unein­ge­schränk­te Soli­da­ri­tät und Unter­stüt­zung zu. Im Dezem­ber 2001 beschließt der Bun­des­tag die Ent­sen­dung von Bun­des­wehr­ein­hei­ten, die im Janu­ar des Fol­ge­jah­res in der afgha­ni­schen Haupt­stadt ein­tref­fen. Spä­ter ist die Bun­des­wehr für den Nor­den des Lan­des ver­ant­wort­lich. In Mazar‑i Sharif, Kun­duz und Fayz­abad wer­den gro­ße Feld­la­ger errich­tet.

Gemein­sam mit inter­na­tio­na­len Koali­ti­ons­trup­pen lie­fern sich Kampf­ein­hei­ten der Bun­des­wehr teil­wei­se hef­ti­ge Gefech­te mit den Tali­ban. „Unter wid­rigs­ten Bedin­gun­gen haben deut­sche Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten gehol­fen, die staat­li­che Ord­nung wie­der­her­zu­stel­len und die Lebens­be­din­gun­gen für die Men­schen in Afgha­ni­stan nach Jahr­zehn­ten des Krie­ges und der Unter­drü­ckung zu ver­bes­sern“, beton­te Lan­gen­eg­ger aus­drück­lich.

Die damit ver­bun­de­ne Kon­fron­ta­ti­on mit Tod und Ver­wun­dung bezeich­ne­te der Drei-Ster­ne-Gene­ral als „sehr bit­te­re Erfah­rung“ und erin­ner­te an die 59 Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­gen, die am Hin­du­kusch ihr Leben ver­lo­ren. „35 von uns fie­len im Gefecht, einer davon ist Ange­hö­ri­ger des Pan­zer­gre­na­dier­ba­tail­lons 212“, rief Lan­gen­eg­ger der ange­tre­te­nen Trup­pe die Opfer des Ein­sat­zes in Nord­af­gha­ni­stan ins Gedächt­nis. Der 23-Jäh­ri­ge Pan­zer­fah­rer Ale­xej Kobe­lew aus Bie­le­feld fiel im Juni 2011 einem Spreng­stoff­an­schlag auf sei­nen „Marder“-Schützenpanzer zum Opfer.

Das Pan­zer­gre­na­dier­ba­tail­lon 212 stell­te regel­mä­ßig in den zurück­lie­gen­den zwei Jahr­zehn­ten gro­ße Tei­le der Afgha­ni­stan-Kon­tin­gen­te aus August­dorf. Auch im letz­ten Ein­satz­ver­band der Bun­des­wehr waren über 200 August­dor­fer Pan­zer­gre­na­die­re seit Dezem­ber letz­ten Jah­res ein­ge­setzt. Mit einer Schwei­ge­mi­nu­te zu den Klän­gen des tra­di­tio­nel­len mili­tä­ri­schen Trau­er­lie­des „Der gute Kame­rad“ wur­de den Gefal­le­nen, Ver­wun­de­ten und ein­satz­ge­schä­dig­ten Sol­da­ten gedacht. Mit Blick auf die aktu­el­len Ereig­nis­se in Afgha­ni­stan stell­te Lan­gen­eg­ger die Leis­tun­gen der Ein­satz­kräf­te der Bun­des­wehr her­aus: „Wir alle haben über zwei Jahr­zehn­te unse­ren Auf­trag treu und tap­fer erfüllt – wie es unser Eid von uns ver­langt.“ Der zwei­fa­che Fami­li­en­va­ter dien­te selbst fast ein Jahr als Chef des Sta­bes der NATO-Mis­si­on in Afgha­ni­stan. „Sie haben mehr gege­ben, als vie­le von denen, die jetzt über Erfolg oder Miss­erfolg urtei­len“, so die kla­re Bot­schaft des Chefs des Feld­hee­res an die „21er“.

Mit der Ein­satz­me­dail­le der Bun­des­wehr wür­dig­te Gene­ral­leut­nant Lan­gen­eg­ger anschlie­ßend die Leis­tun­gen aus­ge­wähl­ter Ein­satz­sol­da­ten des Pan­zer­gre­na­dier­ba­tail­lons 212. Auch Bri­ga­de­ge­ne­ral Ste­phan Wil­ler, Kom­man­deur der August­dor­fer Kampf­trup­pen­bri­ga­de, hob die Leis­tun­gen der Trup­pe deut­lich her­vor. „Die Bun­des­wehr hat – zuletzt durch die Eva­ku­ie­rungs­ope­ra­ti­on in Kabul – zum wie­der­hol­ten Male ihre Leis­tungs­fä­hig­keit, ihre Pro­fes­sio­na­li­tät und Ver­läss­lich­keit in beein­dru­cken­der Manier unter Beweis gestellt“, mach­te der Bri­ga­de­kom­man­deur deut­lich. „Ob im Ein­satz, bei der Pan­de­mie­be­kämp­fung oder der Besei­ti­gung von Hoch­was­ser­schä­den: Wir sind da, wenn wir gebraucht wer­den!“

Wil­ler erin­ner­te an die Ent­beh­run­gen, die die wie­der­keh­ren­den, mona­te­lan­gen Ein­sät­ze in dem zen­tral­asia­ti­schen Kri­sen­staat mit sich brach­ten. „Wir den­ken an die schein­bar end­lo­sen Tage, Wochen und Mona­te des War­tens und des Ver­mis­sens“, so der Bri­ga­de­ge­ne­ral. Eben­so erin­ner­te der Kom­man­deur aber auch an die gemein­sa­men Erleb­nis­se im Ein­satz, das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en und den Stolz auf die erbrach­ten Leis­tun­gen. Der Afgha­ni­stan-Ein­satz habe die Pan­zer­bri­ga­de 21 nach­hal­tig geprägt, ist sich Wil­ler sicher. „Hier vor uns ste­hen Sol­da­ten, für die Begriff­lich­kei­ten wie „Gefecht“ und „Kampf“ kei­ne abs­trak­ten Schlag­wör­ter aus der Trup­pen­aus­bil­dung sind.“

Die Bewäh­rung in Gefechts­si­tua­tio­nen präg­ten die Ver­bän­de der Bri­ga­de, so Wil­ler. Der Bri­ga­de­kom­man­deur ver­las zusätz­lich wäh­rend sei­ner Rede eine Gruß­bot­schaft von NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet, der den Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten für ihren Ein­satz in Afgha­ni­stan dank­te. „Eine Genera­ti­on, vie­le Mil­lio­nen Afgha­nin­nen und Afgha­nen, ver­bin­det mit ihrem Land den Ein­satz der Bun­des­wehr für ein Afgha­ni­stan, das siche­rer, moder­ner und frei­heit­li­cher sein kann“, schrieb Laschet an die Ein­satz­sol­da­ten.

Schon des­halb sei der Ein­satz am Hin­du­kusch nicht ver­ge­bens, beton­te der Minis­ter­prä­si­dent. Zukünf­tig ste­hen wie­der Kern­fä­hig­kei­ten im Rah­men der Lan­des- und Bünd­nis­ver­tei­di­gung im Mit­tel­punkt der Aus­bil­dungs­vor­ha­ben des Groß­ver­ban­des. Mit den Klän­gen der Natio­nal­hym­ne vom Luft­waf­fen­mu­sik­korps aus Müns­ter ging der Appell in der Rom­mel-Kaser­ne zu Ende. Nach 20 Jah­ren Ein­satz am Hin­du­kusch ende­te damit aber auch eine Ära in August­dorf, die die „Lipperland“-Brigade so nach­hal­tig geprägt und ver­än­dert hat, wie kein Ein­satz­auf­trag in der Geschich­te zuvor.


Gruß­bot­schaft von NRW-Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet

„Sehr geehr­te Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten!

Ger­ne wäre ich heu­te in Ihrer Mit­te. Auf­grund der Eva­ku­ie­rungs­ope­ra­ti­on in Afgha­ni­stan hat die Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin aber dar­um gebe­ten, öffent­li­che Ter­mi­ne bis auf wei­te­res zu ver­schie­ben. Mir ist es den­noch ein gro­ßes Anlie­gen, Ihnen auf die­sem Weg für Ihren Ein­satz in Afgha­ni­stan, für Ihren Mut und Ihre Tap­fer­keit und für die damit ver­bun­de­nen Ent­beh­run­gen und die Ent­beh­run­gen Ihrer Fami­li­en von Her­zen zu dan­ken. Die­je­ni­gen, die für Deutsch­land gefal­len sind, wer­den wir nie ver­ges­sen.

Eine Genera­ti­on, vie­le Mil­lio­nen Afgha­nin­nen und Afgha­nen, ver­bin­det mit ihrem Land den Ein­satz der Bun­des­wehr für ein Afgha­ni­stan, das siche­rer, moder­ner und frei­heit­li­cher sein kann. Sie haben eine Saat gelegt, die Früch­te tra­gen wird. Schon des­halb war Ihr Ein­satz nicht ver­ge­bens. Die Ereig­nis­se der letz­ten Mona­te und deren Kon­se­quen­zen für Ein­sät­ze der Bun­des­wehr muss die Poli­tik und müs­sen die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen auf­ar­bei­ten. Dabei muss auch Ihre Stim­me gehört wer­den. Ich jeden­falls freue mich dar­auf, dazu mit Ihnen ins Gespräch zu kom­men.“


Der Ein­satz der Bun­des­wehr in Afgha­ni­stan

Nach den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 in New York und Washing­ton ent­sen­de­te der Deut­sche Bun­des­tag die ers­ten Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan. Damit begann die Betei­li­gung Deutsch­lands an den inter­na­tio­na­len Mis­sio­nen in Afgha­ni­stan unter Füh­rung der NATO. Nach dem Ende der Inter­na­tio­nal Assi­s­tance For­ce (ISAF) ver­ant­wor­te­te die NATO im Rah­men der Mis­si­on Reso­lu­te Sup­port seit dem 01. Janu­ar 2015 die Aus­bil­dung und Bera­tung der afgha­ni­schen Sicher­heits­kräf­te. Das Ziel war es, nach einem Ende der Prä­senz inter­na­tio­na­ler Streit­kräf­te, die afgha­ni­schen Sicher­heits­kräf­te zu ertüch­ti­gen, die Sicher­heits­ver­ant­wor­tung im Land selbst wahr­neh­men zu kön­nen.
Die Bun­des­wehr über­nahm als zweit­stärks­ter Trup­pen­stel­ler des NATO-Ein­sat­zes im Train, Advi­se and Assist Com­mand North (TAAC‑N) die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Mis­si­on im Nor­den des Lan­des mit 21 Bünd­nis­part­nern. Bei einer Man­dats­ober­gren­ze von zuletzt 1.300 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten wur­den die afgha­ni­schen Part­ner aus­ge­hend vom Camp Mar­mal bei Masar‑i Scha­rif aus­ge­bil­det und bera­ten. Auch in Kun­dus und Mai­ma­nah waren dafür deut­sche Trup­pen sta­tio­niert. Ins­ge­samt wur­den, gemein­sam mit den inter­na­tio­na­len Part­nern, afgha­ni­sche Streit­kräf­te mit einer Stär­ke von rund 350.000 Frau­en und Män­nern in Afgha­ni­stan auf­ge­baut. Dar­über hin­aus leis­te­te die Bun­des­wehr ihren Bei­trag bei der Füh­rung der Mis­si­on mit dem Chef des Sta­bes im Haupt­quar­tier in Kabul. Mit dem Abkom­men von Doha vom 29. Febru­ar 2020 ver­ein­bar­te die US-ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung die Been­di­gung des inter­na­tio­na­len mili­tä­ri­schen Enga­ge­ments in Afgha­ni­stan. Am 14. April 2021 beschlos­sen die NATO-Staa­ten gemein­schaft­lich ihr mili­tä­ri­sches Enga­ge­ment bis zum 11. Sep­tem­ber 2021 zu been­den. Die letz­ten 264 deut­schen Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten kehr­ten am 30. Juni 2021 nach Deutsch­land zurück. (Quel­le: bundeswehr.de)


 

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Am 30. Juni 2021 landete die letzte Maschine aus dem langjährigen Einsatzstandort der Bundeswehr im nordafghanischen Mazar-e Sharif auf dem Militärflugplatz in Wunstorf. Für zahlreiche Soldatinnen und Soldaten aus der Augustdorfer Rommel-Kaserne ging an diesem Tag der Einsatz im letzten offiziellen Einsatzkontingent der Bundeswehr im Rahmen der NATO-Ausbildungsmission „Resolute Support“ („Entschlossene Unterstützung“) zu Ende. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten waren rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ in der zentralasiatischen Krisenregion im Einsatz. Während eines feierlichen Appells in der Augustdorfer Rommel-Kaserne wurden die Einsatzrückkehrer offiziell wieder am Bundeswehrstandort am Sennerand begrüßt. Als Ehrengast sprach Generalleutnant Johann Langenegger aus dem Kommando Heer in Strausberg zu den 450 angetretenen Soldatinnen und Soldaten der Brigade. Der 63jährige General führt als Kommandeur Einsatz die Divisionen des Feldheeres, darunter auch die 1. Panzerdivision aus Oldenburg, vorgesetzte Dienststelle der „Lipperland“-Brigade. Zudem vertritt Langenegger als Stellvertreter den Inspekteur des Heeres. Mit Rücksicht auf die aktuelle Situation in Afghanistan sowie die erst am Wochenende zu Ende gegangene Evakuierungsoperation der Bundeswehr am Flughafen Kabul fand der Appell weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Rund zwanzig Gäste, überwiegend aus dem militärischen Bereich, nahmen an dem einstündigen Zeremoniell teil. Generalleutnant Langenegger erinnerte in seiner Rede an die Ereignisse rund um die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001. Noch am Anschlagstag wurde durch den Nordatlantikrat der NATO der Bündnisfall ausgerufen und die Bundesregierung sicherte der US-Regierung uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung zu. Im Dezember 2001 beschließt der Bundestag die Entsendung von Bundeswehreinheiten, die im Januar des Folgejahres in der afghanischen Hauptstadt eintreffen. Später ist die Bundeswehr für den Norden des Landes verantwortlich. In Mazar-i Sharif, Kunduz und Fayzabad werden große Feldlager errichtet. Gemeinsam mit internationalen Koalitionstruppen liefern sich Kampfeinheiten der Bundeswehr teilweise heftige Gefechte mit den Taliban. „Unter widrigsten Bedingungen haben deutsche Soldatinnen und Soldaten geholfen, die staatliche Ordnung wiederherzustellen und die Lebensbedingungen für die Menschen in Afghanistan nach Jahrzehnten des Krieges und der Unterdrückung zu verbessern“, betonte Langenegger ausdrücklich. Die damit verbundene Konfrontation mit Tod und Verwundung bezeichnete der Drei-Sterne-General als „sehr bittere Erfahrung“ und erinnerte an die 59 Bundeswehrangehörigen, die am Hindukusch ihr Leben verloren. „35 von uns fielen im Gefecht, einer davon ist Angehöriger des Panzergrenadierbataillons 212“, rief Langenegger der angetretenen Truppe die Opfer des Einsatzes in Nordafghanistan ins Gedächtnis. Der 23-Jährige Panzerfahrer Alexej Kobelew aus Bielefeld fiel im Juni 2011 einem Sprengstoffanschlag auf seinen „Marder“-Schützenpanzer zum Opfer. Das Panzergrenadierbataillon 212 stellte regelmäßig in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten große Teile der Afghanistan-Kontingente aus Augustdorf. Auch im letzten Einsatzverband der Bundeswehr waren über 200 Augustdorfer Panzergrenadiere seit Dezember letzten Jahres eingesetzt. Mit einer Schweigeminute zu den Klängen des traditionellen militärischen Trauerliedes „Der gute Kamerad“ wurde den Gefallenen, Verwundeten und einsatzgeschädigten Soldaten gedacht. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Afghanistan stellte Langenegger die Leistungen der Einsatzkräfte der Bundeswehr heraus: „Wir alle haben über zwei Jahrzehnte unseren Auftrag treu und tapfer erfüllt – wie es unser Eid von uns verlangt.“ Der zweifache Familienvater diente selbst fast ein Jahr als Chef des Stabes der NATO-Mission in Afghanistan. „Sie haben mehr gegeben, als viele von denen, die jetzt über Erfolg oder Misserfolg urteilen“, so die klare Botschaft des Chefs des Feldheeres an die „21er“. Mit der Einsatzmedaille der Bundeswehr würdigte Generalleutnant Langenegger anschließend die Leistungen ausgewählter Einsatzsoldaten des Panzergrenadierbataillons 212. Auch Brigadegeneral Stephan Willer, Kommandeur der Augustdorfer Kampftruppenbrigade, hob die Leistungen der Truppe deutlich hervor. „Die Bundeswehr hat – zuletzt durch die Evakuierungsoperation in Kabul – zum wiederholten Male ihre Leistungsfähigkeit, ihre Professionalität und Verlässlichkeit in beeindruckender Manier unter Beweis gestellt“, machte der Brigadekommandeur deutlich. „Ob im Einsatz, bei der Pandemiebekämpfung oder der Beseitigung von Hochwasserschäden: Wir sind da, wenn wir gebraucht werden!“ Willer erinnerte an die Entbehrungen, die die wiederkehrenden, monatelangen Einsätze in dem zentralasiatischen Krisenstaat mit sich brachten. „Wir denken an die scheinbar endlosen Tage, Wochen und Monate des Wartens und des Vermissens“, so der Brigadegeneral. Ebenso erinnerte der Kommandeur aber auch an die gemeinsamen Erlebnisse im Einsatz, das gegenseitige Vertrauen und den Stolz auf die erbrachten Leistungen. Der Afghanistan-Einsatz habe die Panzerbrigade 21 nachhaltig geprägt, ist sich Willer sicher. „Hier vor uns stehen Soldaten, für die Begrifflichkeiten wie „Gefecht“ und „Kampf“ keine abstrakten Schlagwörter aus der Truppenausbildung sind.“ Die Bewährung in Gefechtssituationen prägten die Verbände der Brigade, so Willer. Der Brigadekommandeur verlas zusätzlich während seiner Rede eine Grußbotschaft von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der den Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz in Afghanistan dankte. „Eine Generation, viele Millionen Afghaninnen und Afghanen, verbindet mit ihrem Land den Einsatz der Bundeswehr für ein Afghanistan, das sicherer, moderner und freiheitlicher sein kann“, schrieb Laschet an die Einsatzsoldaten. Schon deshalb sei der Einsatz am Hindukusch nicht vergebens, betonte der Ministerpräsident. Zukünftig stehen wieder Kernfähigkeiten im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung im Mittelpunkt der Ausbildungsvorhaben des Großverbandes. Mit den Klängen der Nationalhymne vom Luftwaffenmusikkorps aus Münster ging der Appell in der Rommel-Kaserne zu Ende. Nach 20 Jahren Einsatz am Hindukusch endete damit aber auch eine Ära in Augustdorf, die die „Lipperland“-Brigade so nachhaltig geprägt und verändert hat, wie kein Einsatzauftrag in der Geschichte zuvor.
Grußbotschaft von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet „Sehr geehrte Soldatinnen und Soldaten! Gerne wäre ich heute in Ihrer Mitte. Aufgrund der Evakuierungsoperation in Afghanistan hat die Bundesverteidigungsministerin aber darum gebeten, öffentliche Termine bis auf weiteres zu verschieben. Mir ist es dennoch ein großes Anliegen, Ihnen auf diesem Weg für Ihren Einsatz in Afghanistan, für Ihren Mut und Ihre Tapferkeit und für die damit verbundenen Entbehrungen und die Entbehrungen Ihrer Familien von Herzen zu danken. Diejenigen, die für Deutschland gefallen sind, werden wir nie vergessen. Eine Generation, viele Millionen Afghaninnen und Afghanen, verbindet mit ihrem Land den Einsatz der Bundeswehr für ein Afghanistan, das sicherer, moderner und freiheitlicher sein kann. Sie haben eine Saat gelegt, die Früchte tragen wird. Schon deshalb war Ihr Einsatz nicht vergebens. Die Ereignisse der letzten Monate und deren Konsequenzen für Einsätze der Bundeswehr muss die Politik und müssen die politisch Verantwortlichen aufarbeiten. Dabei muss auch Ihre Stimme gehört werden. Ich jedenfalls freue mich darauf, dazu mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.“
Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington entsendete der Deutsche Bundestag die ersten Soldaten nach Afghanistan. Damit begann die Beteiligung Deutschlands an den internationalen Missionen in Afghanistan unter Führung der NATO. Nach dem Ende der International Assistance Force (ISAF) verantwortete die NATO im Rahmen der Mission Resolute Support seit dem 01. Januar 2015 die Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte. Das Ziel war es, nach einem Ende der Präsenz internationaler Streitkräfte, die afghanischen Sicherheitskräfte zu ertüchtigen, die Sicherheitsverantwortung im Land selbst wahrnehmen zu können. Die Bundeswehr übernahm als zweitstärkster Truppensteller des NATO-Einsatzes im Train, Advise and Assist Command North (TAAC-N) die Gesamtverantwortung für die Mission im Norden des Landes mit 21 Bündnispartnern. Bei einer Mandatsobergrenze von zuletzt 1.300 Soldatinnen und Soldaten wurden die afghanischen Partner ausgehend vom Camp Marmal bei Masar-i Scharif ausgebildet und beraten. Auch in Kundus und Maimanah waren dafür deutsche Truppen stationiert. Insgesamt wurden, gemeinsam mit den internationalen Partnern, afghanische Streitkräfte mit einer Stärke von rund 350.000 Frauen und Männern in Afghanistan aufgebaut. Darüber hinaus leistete die Bundeswehr ihren Beitrag bei der Führung der Mission mit dem Chef des Stabes im Hauptquartier in Kabul. Mit dem Abkommen von Doha vom 29. Februar 2020 vereinbarte die US-amerikanische Regierung die Beendigung des internationalen militärischen Engagements in Afghanistan. Am 14. April 2021 beschlossen die NATO-Staaten gemeinschaftlich ihr militärisches Engagement bis zum 11. September 2021 zu beenden. Die letzten 264 deutschen Soldatinnen und Soldaten kehrten am 30. Juni 2021 nach Deutschland zurück. (Quelle: bundeswehr.de)
 

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