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Seit dem Jahr 2000 zah­len Strom­kun­den die Öko­strom­um­la­ge (EEG-Umla­ge) bei ihrem Strom­preis on top. Damit soll­te der Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien geför­dert wer­den. Im Rah­men der Ent­las­tungs­pa­ke­te der Bun­des­re­gie­rung wird die Umla­ge zum 1. Juli aber auf null her­ab­ge­setzt — befris­tet bis zum 31. Dezem­ber 2022. Die Umla­ge ist damit zwar noch nicht ganz abge­schafft, durch die Maß­nah­me sol­len Haus­hal­te aber wenigs­tens vor­über­ge­hend ent­las­tet wer­den. Was bedeu­tet das für Strom­kun­den?

Müssen Stromanbieter die Herabsetzung der EEG-Umlage direkt an ihre Kunden weitergeben?

Grund­sätz­lich ja. Sowohl Grund­ver­sor­ger als auch ande­re Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men müs­sen die Preis­sen­kung an die Strom­kun­den wei­ter­ge­ben.

Für alle Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, die nicht Grund­ver­sor­ger sind, gibt es aller­dings ein klei­nes Hin­ter­tür­chen: Wenn die­se nach­wei­sen kön­nen, dass die EEG-Umla­ge in ihrer Preis­kal­ku­la­ti­on kei­ne Rol­le spielt, müs­sen sie die Preis­sen­kung nicht wei­ter­ge­ben. „Das dürf­te aber aus­ge­spro­chen sel­ten der Fall sein“, sagt Mar­tin Bran­dis, Ener­gie-Fach­mann des Ver­brau­cher­zen­tra­le-Bun­des­ver­bands.

Wie viel Ersparnis kann das ausmachen?

In einem Haus­halt mit einem Jah­res­strom­ver­brauch von 3.500 Kilo­watt­stun­den beläuft sich die Erspar­nis net­to auf rund 130 Euro pro Jahr. On top kommt aber noch die Mehr­wert­steu­er in Höhe von 19 Pro­zent. Macht in Sum­me eine Erspar­nis von 155 Euro, knapp 13 Euro pro Monat.

Weil die Strom­prei­se aber seit Mona­ten nur eine Rich­tung ken­nen, könn­te die Erspar­nis umge­hend wie­der auf­ge­fres­sen oder zumin­dest stark gedämpft wer­den.

Ändert sich jetzt sofort die Abschlagszahlung?

Ener­gie­ver­sor­ger sind nicht ver­pflich­tet, den monat­li­chen Abschlag wegen der Sen­kung der EEG-Umla­ge zu ändern. Übli­cher­wei­se wer­den Abschlä­ge nur ein­mal pro Jahr ange­passt — dann, wenn die Jah­res­rech­nung ins Haus flat­tert. „Inso­fern wür­de ich mal schät­zen, dass bei den meis­ten Ver­brau­chern der Abschlag unver­än­dert bleibt“, so Bran­dis. Im Rah­men der Jah­res­ab­rech­nung gibt es dann gege­be­nen­falls eine Rück­erstat­tung.

In begrün­de­ten Fäl­len hät­ten Strom­kun­den aber die Mög­lich­keit, den Abschlag vor­zei­tig anpas­sen zu las­sen. Kun­din­nen und Kun­den soll­ten ihrem Ver­sor­ger dafür schrift­lich oder tele­fo­nisch glaub­haft machen, dass sie nied­ri­ge­re Kos­ten haben, als sie der­zeit als Abschlag bezah­len. „Ich gehe mal davon aus, dass die meis­ten Ver­sor­ger dem dann nach­kom­men“, sagt Bran­dis.

Sind Stromkunden vor einer gleichzeitigen Strompreiserhöhung geschützt?

Damit wirk­lich der End­ver­brau­cher von der Ent­las­tung pro­fi­tiert, hat der Gesetz­ge­ber die gleich­zei­ti­ge Strom­preis­er­hö­hung zum 1. Juli aus­ge­schlos­sen. Eine Preis­er­hö­hung kur­ze Zeit spä­ter ist damit aller­dings nicht aus­ge­schlos­sen. Laut Bran­dis müs­sen Strom­preis­an­pas­sun­gen aber immer begrün­det sein. Eine grund­lo­se Preis­an­pas­sung ist nicht mög­lich.

Taucht die EEG-Umlage noch auf der Rechnung auf?

Es könn­te sein, dass die EEG-Umla­ge noch mit null Euro auf der Strom­rech­nung auf­ge­führt wird. Denn for­mal sei sie ja nicht abge­schafft, sagt Bran­dis. Es könn­te daher sein, dass Unter­neh­men das aus Trans­pa­renz­grün­den so hand­ha­ben.

Wie können Kunden nachvollziehen, ob ihr Stromanbieter die Anpassung vorgenommen hat?

Um den büro­kra­ti­schen Auf­wand für Ener­gie­ver­sor­ger zu erleich­tern, sind die Unter­neh­men nicht ver­pflich­tet, Kun­din­nen und Kun­den über die Preis­än­de­rung zu infor­mie­ren. Im Zwei­fel hilft ein Blick auf die Web­sei­te des Ver­sor­gers oder eine tele­fo­ni­sche Nach­fra­ge. Spä­tes­tens auf der Strom­rech­nung soll­te nach­voll­zieh­bar sein, ob die Anpas­sung kor­rekt vor­ge­nom­men wur­de.

Sollten Verbraucher jetzt noch mal ihre Stromzähler ablesen?

Ob sich eine Zwi­schen­ab­le­sung lohnt, hängt davon ab, wie im Haus­halt Strom bezo­gen wird. So rät die Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len vor allem Haus­hal­ten zur Able­sung, die mit Strom hei­zen und eine Wär­me­pum­pe oder eine Nacht­strom­spei­cher­hei­zung haben. Der Grund: Der Strom­ver­brauch ist in die­sen Haus­hal­ten durch die Heiz­pe­ri­ode über das Jahr ungleich­mä­ßig ver­teilt und kann dem­nach auch jähr­lich unter­schied­lich aus­fal­len. Haus­hal­te soll­ten daher am 30. Juni den Zäh­ler­zwi­schen­stand able­sen und den Wert ihrem Strom­an­bie­ter mit­tei­len.

Bei Haus­hal­ten mit Haus­halts­strom sei dies dage­gen nicht erfor­der­lich, denn der Strom­ver­brauch ver­teilt sich sehr gleich­mä­ßig über das Jahr, erklärt die Ver­brau­cher­zen­tra­le. Eine Schät­zung des Strom­ver­brauchs durch den Strom­an­bie­ter zur Jah­res­mit­te rei­che aus.

Was, wenn Stromanbieter die Preisanpassung nicht weitergeben? Können Verbraucher dagegen vorgehen?

„Na klar kön­nen Ver­brau­cher dage­gen vor­ge­hen“, sagt Mar­tin Bran­dis. Stel­len Strom­kun­den fest, dass ihre Ver­sor­ger die Preis­an­pas­sung nicht wei­ter­ge­ben, kön­nen sie das von ihrem Anbie­ter ver­lan­gen. Zeigt sich der Ver­sor­ger unein­sich­tig, kön­nen sich Kun­den zum Bei­spiel kos­ten­frei an die Schlich­tungs­stel­le Ener­gie wen­den.

Was passiert ab dem 1. Januar?

Bis­lang ist die Absen­kung der EEG-Umla­ge bis zum 31. Dezem­ber begrenzt. Wie mit der EEG-Umla­ge ab dem 1. Janu­ar ver­fah­ren wird, müs­se poli­tisch noch ent­schie­den wer­den, sagt Bran­dis. Er geht aber davon aus, dass die Öko­strom­um­la­ge nicht wie­der hoch­ge­setzt und über kurz oder lang ganz abge­schafft wird.

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